Unterwegs mit dem Wegewart

Der Westen
Lünen, 15.08.2010, Diethelm Textoris

Lünen. Kreidezeichen an Zäunen und Hauswänden waren in früheren Zeiten Hinweise für Bettler und Diebe: Hier gibt’s was zu holen oder hier gibt’s absolut nichts. In der heutigen Zeit haben weiße Markierungen und kleine Schilder eine andere Funktion. Sie sind Orientierungshilfen für Spaziergänger und Wanderer. Der Mann, der diese Zeichen anbringt, erneuert und pflegt heißt Bernhard Sehrbrock. Er ist Wegewart des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV), Abteilung Lünen-Selm, und betreut 103 Kilometer Wanderwege im hiesigen Raum.

„Als ich Rentner wurde, wollte ich innerhalb des SGV etwas Sinnvolles tun“ berichtet Sehrbrock. Vor sechs Jahren übernahm er das Amt des Wegewarts. Seitdem klemmt er in unregelmäßigen Abständen eine Kiste mit Farbdose, Pinsel, Drahtbürste, Gartenschere und Abziehfolien auf den Gepäckträger seines Fahrrads und durchstreift mit diesen Utensilien die „Pättkes“ der Umgebung. „Farbe und Pinsel brauche ich, um die Markierungen an Bäumen, Laternen und Pfählen anzubringen“, erklärt er. Die Zeichen werden freihändig gemalt, Schablonen haben sich als unpraktisch erwiesen. Mit der Gartenschere beschneidet er Äste, die die Sicht auf die Markierungen versperren. Die Drahtbürste braucht er zum Reinigen, besonders, wenn er Klebefolien anbringt. „Ist der Untergrund richtig gereinigt und notfalls noch lackiert, dann halten die Schilder bombenfest.“ Neue Metallschilder werden mit der Zange leicht verbogen, „das macht sie für Sammler weniger attraktiv“.

Dass die Wegmarkierungen im hiesigen Raum in einem hervorragenden Zustand sind, ist sein Verdienst. „Die Lüner Wanderwege brauchen sich nicht zu verstecken. Sie führen durch landschaftlich schöne Gebiete, sie lassen sich auch gut für kleinere Radtouren benutzten, wenn man bereit ist, an der einen oder anderen Stelle das Rad zu schieben.“

Seiner Meinung nach braucht auch niemand Angst zu haben, dass er die „Hieroglyphen“ nicht versteht. „Das Prinzip ist ganz einfach. A-Wege sind Rundwanderwege, die zum Ausgangspunkt zurück führen. Das sind zwei Wege, die am Wanderheim Netteberge und vier weitere, die am Parkplatz Kohusholz bzw. am Schloss Cappenberg beginnen.“ Daneben gibt es noch zwei ältere Rundwege, die mit einem Kreis bzw. einem umgekehrten „T“ gekennzeichnet sind.“ Der sogenannte Hüttenweg (H) führt über 17 Kilometer vom Lüner Hauptbahnhof über Netteberge zum Bahnhof Selm-Beifang und der Balkenweg (=) vom Grävingholz zum Cappenberger Schloss. Bleiben noch die mit einem Andreaskreuz (X) gezeichneten Wege und der „L“ Weg. „Die „X“ Wege sind Durchgangswege, für die der Westfälische Heimatbund zuständig ist. So führt der X 14 auf 76 Kilometer von Münster nach Datteln“, erläutert Sehrbrock.

Besonders am Herzen liegt ihm der Lüner Rundweg (L), der auf einer Länge von knapp 18 Kilometern weite Teile der Lippestadt umrundet und landschaftliche und kulturelle Höhepunkte bietet.

Insgesamt wünscht Sehrbrock sich mehr Unterstützung von der Stadt, vielleicht in Form von Broschüren oder Kartenmaterial für Interessierte, damit die Wege aus ihrem „Dornröschenschlaf geweckt werden“. Umso mehr freut er sich, dass die Volkshochschule am 25. September den „L-Weg“ mit einem Wanderangebot neu beleben will: „Da werde ich selbstverständlich als Co-Referent dabei sein.“

Die Würdigung seiner Arbeit liegt für ihn in der Nutzung der Wege durch die Bürger. „Für die vom Land gezahlte Aufwandsentschädigung für die Markierungsarbeiten kann ich mir nach acht Stunden Einsatz gerade mal eine Frikadelle leisten“, fügt er schmunzelnd hinzu.

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